„Der Ernst des Lebens“ beginnt ja sprichwörtlich dann, wenn ein Kind in die Schule kommt. Meiner Erfahrung nach wurde es aber genau in den Monaten vor dem Abitur – in unserem Fall das Abitur im Internat – so richtig ernst. Viele Jahre hatten meine Kinder in dieser besonderen Gemeinschaft des Internates gelebt, aber als es dann im Frühling auf die entscheidende Abschlussprüfung zuging, schien die Welt im Internat auf den Kopf gestellt. Ganz viel veränderte sich, nette Kameraden verwandelten sich in rücksichtslose, ehrgeizige Eiferer, es gab Auseinandersetzungen, weil die Nerven blank lagen, aber es gab auch ein paar schöne Überraschungen. Mitschüler, die man bis dahin einfach nur als nette Kollegen wahrgenommen hatte, wurden nun zu echten Lernpartnern. Es entstanden neue Freundschaften, tiefe Bindungen, doch alles stand unter dem Eindruck, dass man sich bald wieder verabschieden musste. Genau das wurde den jungen Leuten in dieser Zeit nicht nur verstandesmäßig, sondern auch emotional klar, bald endet unwiderruflich ein wichtiger Lebensabschnitt. Während andere Schüler in Wohnortnähe zur Schule gingen, so dass sie auch in der Zeit danach noch zusammen blieben, war den Jugendlichen im Internat klar, dass ihre Lebenswege sich sehr wahrscheinlich abrupt mit dem Abitur trennen würden.

 

Erwartungsdruck von allen Seiten

 

Auch familiäre Spannungen der Internatsschüler kochten parallel zum Lernstress wieder hoch: Wer sein Kind ins Internat gibt, der tut das ja oft auch deswegen, weil er beruflich sehr engagiert und in seinem Job erfolgreich ist. So sind in diesen Schulen meist gutsituierte Unternehmerkinder versammelt, die sich gerade in der Zeit vor ihrem Abschluss nun mit einem ganzen Haufen von Erwartungen konfrontiert sehen.

Da wird von dem Einen erwartet, dass er BWL studiert, um dann ins elterliche Unternehmen einsteigen zu können, der anderen suggeriert man vielleicht, dass sie als Tochter eines Arzt-Ehepaares einen Numerus Clausus erreichen sollte, mit dem sie Medizin studieren kann. Solche Themen, die die Kinder vielleicht jahrelang erfolgreich verdrängt hatten, kommen nun wieder ans Tageslicht. Meine Töchter, die von Haus aus sehr leistungsorientiert waren, spürten in diesen Monaten auch den Druck, der auf den anderen lastete. Ich erinnere mich, dass die eine plötzlich Allergien entwickelte, die andere bekam Magen-Darm-Probleme.

 

Für mich als Mutter war diese Zeit anfangs sehr schwer zu bewältigen. Wenn auch wir nicht mit belastenden Erwartungen an die Kinder herantraten, so war es doch ihr eigenes Empfinden, was bei ihnen Stress auslöste. Gerade weil ich in dieser Zeit nur trösten und am Wochenende betreuen konnte, verfiel ich anfangs in eine Art Schockstarre. Zusehen zu müssen, wie das eigene Kind leidet und sich den Alltag schwer macht, ist hart für eine Mutter.

 

Sprechen hilft bei der Verarbeitung

 

Nachdem sich diese Starre gelegt hatte, versuchte ich, logisch und sachlich über die Problematik nachzudenken. Weil wir ja oft den eigenen Herausforderungen gegenüber einen weniger klaren Blick haben, zwang ich mich, die aktuelle Situation so zu betrachten, als ginge es um einen meiner Klienten. Und plötzlich hatte ich ganz viele Ideen, wie ich meiner Tochter in dieser Situation beistehen konnte. Ein Tool nach dem anderen holte ich aus meiner Trickkiste und so wurde diese sehr schwierige Zeit eine der intensivsten unseres Miteinanders. Druck, der auf einem Kind lastet, wird besser zu ertragen, wenn man sich mit den Ursachen beschäftigt.

Gerade in einem Internat mit all seinen Besonderheiten und Umständen kann diese letzte Phase der Schulzeit zu einer extremen Belastung werden. Was die Kinder in vielen Jahren gelernt haben, müssen sie nun auf den Punkt hin abrufen – denn im Internat wird das Abitur nicht verschenkt, es muss sich genauso erarbeitet werden. Gleichzeitig beschäftigt die Abiturienten die Ungewissheit, was die nächste Zukunft bringen wird. Das Leben im Internat war zwar vielleicht nicht immer nur schön, doch es war eines, das sie gut kannten. Mit dem Ende der Schulzeit ändert sich also nicht nur ihr Alltag – wie das bei anderen Jugendlichen der Fall ist, sondern hinzu kommt noch, dass sie die gewohnte Umgebung verlassen und der tägliche Umgang mit den Vertrauten und Freunden wegfällt.

Natürlich kann eine Mutter ihrem Kind über diese Phase hinweghelfen. Voraussetzung ist aber, dass sie für genau diese Gegebenheiten im Internat sensibilisiert ist.

 

In meinen Coachings – für Frauen mit Kindern im Internat – sensibilisiere ich auch für diese spezielle Situation, denn bereits in den Jahren zuvor wird dafür die Basis geschaffen, das Abitur wirklich erfolgreich und emotional stabil abzuschließen.

 

Dieser Beitrag könnte dich auch interessieren:

Wenn plötzlich deine Kinder weg sind: Empty-Nest-Syndrom bei Internats-Eltern

 

 

99 „Fragen an mich selbst“  GRATIS!


Für Frauen, die den Alltag nicht mehr an sich vorbeirauschen lassen wollen.
Die „Fragen an mich selbst“ geben dir kleine oder große Denkanstöße, ob du deinen Träumen, Visionen und Bedürfnissen auch wirklich gerecht wirst. Sie bilden ebenso die Basis für mehr Bewusstsein im Umgang mit deiner Familie. Lass dir dabei helfen aufmerksamer zu sein sowie deine Sehnsüchte und Lebensziele neu auszurichten. Wenn du deinen Blick einmal täglich nach innen lenkst, wirst du die vielen kleinen Dinge um dich herum deutlicher wahrnehmen, bewusster und zufriedenen im Moment leben und deine Lebenssituationen schneller verbessern können.

Die „99 Fragen an mich selbst“ sind ein Geschenk an dich und völlig kostenfrei!

Melde dich hier dafür an. 

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare