Internat - Ja oder nein

Oft ist es eine persönliche Betroffenheit, eine eigene Erfahrung, die dahinter steht, wenn man fortan seinen Fokus ein bisschen umorientiert. So ein besonderes Augenmerk gilt bei mir der Frage, ob ein Kind aufs Internat gehen sollte, und wenn ja, auf welches. Dass ich heute meine Fähigkeiten aus vielen Jahren im Business-Coaching nutze, um andere Eltern bei ihren Entscheidungsprozessen zu unterstützen, Familien zu begleiten, ist also kein Zufall.

Die Situation ist ohnehin immer eine sehr komplexe.

Die Frage, ob ein Internat das Richtige ist, taucht ja nicht aus heiterem Himmel auf. Meistens ist vorher etwas nicht optimal gelaufen. In meinem Fall hatten die Kinder unüberwindbare Probleme in der Schule, weil sie hochbegabt sind. Obwohl ein Internat vorher kein Thema bei uns gewesen war, tauchte die Frage, ob unsere Kinder dort wohl besser gefördert würden, bald ganz automatisch auf. Internat – ja oder nein? Welches ist das Beste? Wie wird sich das emotional auf unsere Familie auswirken? Was für Kosten kommen auf uns als Eltern zu (auf diese Frage gehe ich gesondert in einem der kommenden Blogbeiträge ein)?

Vielfältige Gründe können für ein Internat sprechen

Aus Gesprächen mit vielen anderen Eltern weiß ich inzwischen, dass die Gründe für ein Internat zwar sehr verschieden sind, die damit einhergehenden Probleme aber immer ähnlich. Alle Eltern wollen ihren Kindern mit dem Besuch eines Internats optimale Lernbedingungen bieten. Sei es die inhaltliche Ausrichtung eines bestimmten Elite-Internats, die intensive Förderung einer besonderen Begabung oder einer Sportart – auf den verschiedenen Internaten gibt es unterschiedliche Schwerpunkte. Manchmal liegen die Ursachen für die Entscheidung fürs Internat auch im familiären Bereich. Die Situation zwischen Kindern und Eltern ist verfahren, berufliche Erfordernisse zwingen die Eltern zum ständigen Reisen oder ein Elternteil ist verstorben und der andere mit Beruf und Kind alleine überfordert. Auch Familientraditionen können eine wesentliche Rolle spielen. Gerade wenn Elite-Internate zur Disposition stehen, steckt oft noch der Wunsch dahinter, dass die Kinder, deren Eltern selbst zu einer Elite gehören, dort ähnliche gesellschaftliche Umgänge haben wie die Eltern selbst.

Wie es uns als Eltern von Schülerinnen im Internat ging

Als Eltern mussten wir lernen, uns zurückzunehmen. Als wir uns für das Internat entschieden, mussten wir Vertrauen fassen, dass die Kinder unabhängig von uns ihren persönlichen Weg finden würden. Dieser Vertrauensvorschub hat uns manchmal echte Nerven gekostet. So waren wir mit Menschen im Internat verbunden, die von eigenen Erfahrungen, Gefühle, Stimmungen und Tagesabhängigkeiten beeinflusst wurden. Manchmal gab es einen Zwiespalt zwischen unseren Erwartungen und der Realität. Im Nachhinein bedaure ich emotionale Reaktionen unsererseits. Aber auf der anderen Seite denke ich, dass uns dieses Recht als Eltern zusteht. Nichts ist emotionaler als das Wohl der eigenen Kinder mit allen Belangen drumherum. Es liegt an der Professionalität des Gegenübers, mit diesen Situationen umzugehen und sachlich zu bleiben – vermutlich die schwierigste Aufgabe im Führen eines Internates, Eltern, Schülern, Mitarbeitern und sich selbst gerecht zu werden.

Immer auf Abruf: Eltern müssen reagieren, wenn das Kind im Internat krank wird

Infizieren sich Schüler mit einer ansteckenden Krankheit, muss natürlich schnell reagiert werden, damit sich andere Kinder nicht anstecken. Klar ist, dass die Schüler dann nach Hause gehören. Es ist jedoch eine Herausforderung, von null auf hundert die Strecke zum Internat zu fahren und mit einem kranken Kind dann wieder zurück. Gott-sei-Dank haben wir diese Situation nur selten erlebt. In unserem Leben gibt es nichts Wichtiges als unsere Töchter. Wir haben uns sogar spätabends auf den Weg gemacht, um unsere aufgelöste und tieftraurige Tochter mitten in der Nacht abzuholen. Sicherlich ein Sonderfall, dennoch manchmal, wenn es absolut brennt, dann fehlen Mama und Papa doch.

Der Internatsaufenthalt und die Momente, in denen ich nicht oder nur auf Distanz helfen konnte. Z.B.

• Der Geburtstag und morgens die erste herzliche Umarmung…
• Der Liebeskummer
• Die Adventszeit und das gemütliche vor dem Kamin sitzen…
• Das Intrigenspiel mit aller emotionalen Wucht…
• Die vielen kleinen und großen Entscheidungen im Internat
• Die Momente voller Heimweh, Traurigkeit und dem Gefühl, die ganze Welt ist gegen einen…
• Wenn einfach mal alles danebengegangen ist…
• Der extrem hohe Druck zum Abitur und die Phase vorab…

Unser soziales Netzwerk hat sich durch das Internat komplett verschoben

Bis auf wenige Wochenenden im Jahr kamen unsere Kinder immer am Wochenende nach Hause. Oftmals begleitet von Freunden und einer intensiven Zeit, die uns heilig und wertvoll war.
Unsere Freunde trafen sich weiterhin am Wochenende. Wir haben Prioritäten gesetzt und etliche Einladungen abgesagt. Das wirkte sich aus und konnte eben nicht immer innerhalb der Wochen – und Arbeitszeit ausgeglichen werden. Es war unsere Entscheidung und wir haben mit den Konsequenzen leben müssen.

Als wir von der Entscheidung berichteten, dass unsere älteste Tochter ins Internat gehen würde, stand unser direktes Umfeld Kopf – Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen und Bekannte. Die Spreu vom Weizen zeige sich in aller Deutlichkeit:

  • „Die schieben ihre Kinder ab.“
  • „Das ist doch völlig lebensfremd.“
  • „Die haben ja wohl zu viel Geld!“
  • „Sind die Kinder schwer erziehbar, oder sind das schulische Nieten?“
  • „Ich wette die Kinder überleben das erste Jahr nicht.“

Neid und Missgunst aus dem nächsten Umfeld – das macht was mit einem! Bei uns war es so, dass wir das nicht geplant hatten, sondern reagieren mussten. Um ehrlich zu sein, habe ich als Mutter einige Jahre lang jeden Sonntag, wenn die Kinder wieder ins Internat fuhren, mit den Tränen gekämpft. Weil ich aber wusste, dass die Entscheidung – unsere 10jährigen Kindern ins Internat zu geben – richtig ist, habe ich meine Gefühle hintenangestellt. Es war hart – denn  eigentlich wollten wir doch eine ganz normale Familie sein…

Gedanken kreisen, während das Kind im Internat ist

Den Eltern gehen unendlich viele Gedanken durch den Kopf: Was steckt hinter dem nach außen aufgebauten Bild und Prestige des Elite-Internates? Passt das erzieherische Konzept zu uns als Familie? Wie viel Mitbestimmung geben wir ab und was bedeutet das für unser Kind? Kommen wir als Eltern damit klar, dass die Marschroute im Leben unserer Kinder von Fremden vorgegeben wird? Was ist eigentlich, wenn unser Kind Heimweh hat oder krank wird? Ein Internat ja oder nein ist eben nicht nur etwas, das sich auf schulische Konzepte beschränkt. Das ganze Leben und die persönliche Entwicklung werden mitbestimmt. Freunde und das soziale Umfeld liefern wichtige Impulse. Wenn es normal ist, dass Freunde mit Gucci-Taschen herumlaufen und zum 18. Geburtstag einen Sportwagen geschenkt bekommen, kann sich das auswirken?  Sollen die Kinder mit Schülern aus prominenten Familien zur Schule gehen? Wie gefestigt sind die Werte der eigenen Familie? Worum geht es? Was ist wichtig? Welche äußeren Einflüsse kommen auf uns zu, die prägend und wegweisend sind? Welche Kompromisse müssen wir bereit sein einzugehen? Vor und nach der Internatsentscheidung begleiten solche Überlegungen die Familien.

Ich kenne diese Fragen aus eigener Erfahrung und den vielen Gesprächen mit anderen betroffenen Eltern. Wir können gemeinsam Antworten finden und damit Lösungen!

Rufen Sie mich gerne an, damit wir sehen, wie wir Ihre persönlichen Fragen rund um den Internatsbesuch beantworten.
Ich freue mich auf Sie!

Ihre Petra Moje

Sie haben eigene Erfahrungen zum Thema gesammelt?
Lassen Sie mich gern daran teilhaben. Ihre Kommentare sind herzlich willkommen.

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