Wenn ein Kind aufs Internat geht, geht es in der Regel darum, die Schule – das Gymnasium – am Ende mit dem Abitur abzuschließen. Der Weg zu diesem Abschluss unterscheidet sich in vieler Hinsicht von der Ausbildung am Gymnasium des Wohnortes der Eltern. Doch es lohnt sich durchzuhalten und die Probleme, sollten sich welche auftun, aus dem Weg zu räumen. Wenn man die eigenen Kinder über Jahre hinweg nur am Wochenende und in den Ferien sieht, lernt man, die kostbaren gemeinsamen Momente besonders intensiv zu erleben. Und bei insgesamt acht Jahren Internatsleben bis zum Abi tauchen Herausforderungen auf, das eine oder andere emotional gesprochene Wort hallt noch lange nach.

Bevor das Abitur im Internat abgelegt wird, gibt es natürlich die gleichen Querelen und Schwierigkeiten wie für die Schüler in jedem anderen Gymnasium auch. Nur bekommt man als Mutter davon nur Bruchstücke mit. Manchmal verzerrt das Vieles. Natürlich ruft ein Kind erst daheim an, wenn es wirklich brennt. Wir alle wissen, dass manchmal ein Problem schon dadurch entschärft wird, wenn darüber gesprochen wird. Am Ende solcher Telefonate war für unsere Töchter dann oftmals der Dampf raus, sie konnten wieder zu ihrem Alltag zurückkehren. Doch ich blieb aufgewühlt zurück. Der Weg zum Abitur im Internat ist mit Hürden versehen, die wir wie unter einer Lupe wahrnehmen.

Abitur nach emotionalen Zeiten im Internat

Für gewöhnlich können die eigenen Kinder langsam flügge werden. Hat man sich aber entschieden, sie in einem Internat Erfahrungen sammeln zu lassen, dann heißt es nicht nur, fortan mit räumlicher Distanz zu ihnen zu leben, sondern auch einen durchgetakteten Tagesablauf mit hohen Ansprüchen im Leben der eigenen Kinder in Kauf zu nehmen. Bestimmt gibt es immer gute Gründe dafür, sich letztendlich auf das Abitur im Internat vorzubereiten. Die Zeiten, die man gemeinsam als Familie dabei verliert, bekommt man aber niemals zurück.

Ich selbst habe aber auch gerade die letzten Monate vor dem Abitur im Internat als besonders intensiv wahrgenommen.

Schon eineinhalb Jahre vorab hatten sich die Abiturienten der Klassenstufe unserer großen Tochter mit dem besagten Abiball beschäftigt. Geld verdient um das Fest durchführen zu können, den Candy-Shop verwaltet und in den Pausen zum Verkauf besetzt. Zu den Elternsprechtagen Kuchen gebacken, Kunstwerke geschaffen und verkauft, Autos gewaschen und vieles mehr, damit es in der Kasse der Schüler klingelt, denn die Abitur-Abschluss-Feier soll verdient sein, so ist es Tradition.

Auf der Zielgeraden zum Abitur im Internat

„Der Ernst des Lebens“ beginnt ja sprichwörtlich dann, wenn ein Kind in die Schule kommt. Meiner Erfahrung nach wurde es aber genau in den Monaten vor dem Abitur – in unserem Fall das Abitur im Internat – so richtig ernst.

Viele Jahre hatten unsere Kinder als Schüler und Freunde in dieser besonderen Gemeinschaft des Internates gelebt. Als es dann im Frühling auf die entscheidende Abschlussprüfung zuging, schien die Welt im Internat auf den Kopf gestellt. Vieles veränderte sich, nette Kameraden verwandelten sich in rücksichtslose, ehrgeizige Eiferer, es gab Auseinandersetzungen, weil die Nerven blank lagen. Aber es gab auch schöne Überraschungen: Mitschüler, die man bis dahin einfach nur als nette Kollegen wahrgenommen hatte, wurden nun zu echten Lernpartnern. Es entstanden neue Freundschaften, tiefe Bindungen, doch alles unter dem Eindruck, dass man sich bald wieder verabschieden musste. Genau das wurde den jungen Leuten in dieser Zeit nicht nur verstandesmäßig, sondern auch emotional klar: bald endet unwiderruflich ein wichtiger Lebensabschnitt.
Während andere Schüler in Wohnortnähe das Gymnasium besuchten, so dass sie auch in der Zeit danach noch zusammen blieben, war den jungen Erwachsenen im Internat klar, dass ihre Lebenswege sich sehr wahrscheinlich abrupt mit dem Abitur trennen würden.

Erwartungsdruck von allen Seiten

Auch familiäre Spannungen der Internatsschüler kochten parallel zum Lernstress wieder hoch: Wer sein Kind ins Internat gibt, der tut das deswegen, weil er beruflich sehr engagiert und in seinem Job erfolgreich ist. So sind in diesen Schulen meist gutsituierte Unternehmerkinder versammelt, die sich gerade in der Zeit vor ihrem Abschluss mit einem ganzen Haufen von Erwartungen konfrontiert sehen. Das Gymnasium soll mit der Hochschulreife abgeschlossen werden und die Ausbildung mit einem Studium fortgesetzt werden.


Von dem Einen wird erwartet, dass er BWL studiert, um später dann ins elterliche Unternehmen einzusteigen. Der anderen suggeriert man vielleicht, dass sie als Tochter eines Arzt-Ehepaares einen Numerus Clausus erreichen sollte, mit dem sie Medizin studieren kann. Solche Themen, die die Kinder vielleicht jahrelang erfolgreich verdrängt hatten, kommen nun ans Tageslicht. Meine Töchter, die von Haus aus sehr leistungsorientiert sind, spürten in diesen Monaten auch den Druck, der auf den anderen lastete. Sie berichteten davon, dass Freundinnen plötzlich Allergien entwickelten oder unerklärliche Magen-Darm-Probleme.

Für mich als Mutter war diese Zeit anfangs sehr schwer zu bewältigen

Wenn auch wir nicht mit belastenden Erwartungen an die Kinder herantraten, so war es doch ihr eigenes Empfinden, was bei ihnen Stress auslöste. Gerade weil ich in dieser Zeit nur trösten und am Wochenende betreuen konnte, verfiel ich anfangs in eine Art Schockstarre. Zusehen zu müssen, wie das eigene Kind leidet und sich den Alltag schwer macht, ist hart für eine Mutter.

Sprechen hilft bei der Verarbeitung

Nachdem sich diese Starre gelegt hatte, versuchte ich, logisch und sachlich über die Problematik nachzudenken. Weil wir oft den eigenen Herausforderungen gegenüber einen weniger klaren Blick haben, zwang ich mich, die aktuelle Situation so zu betrachten, als ginge es um einen meiner Klienten. Und plötzlich hatte ich ganz viele Ideen, wie ich unserer Tochter in dieser Situation beistehen konnte. Ein Tool nach dem anderen holte ich aus meiner Trickkiste und so wurde diese schwierige Zeit eine der intensivsten unseres Miteinanders. Druck, der auf einem Kind lastet, wird besser ertragen, wenn man sich mit den Ursachen beschäftigt.

Gerade in einem Internat mit all seinen Besonderheiten und Umständen kann diese letzte Phase der Schulzeit zu einer extremen Belastung werden.

Was die Kinder in vielen Jahren an der Schule gelernt haben, müssen sie nun auf den Punkt hin abrufen – denn im Internat wird das Abitur nicht verschenkt, es muss genauso erarbeitet werden wie auf jedem anderen öffentlichen Gymnasium. Gleichzeitig beschäftigt die Abiturienten die Ungewissheit, was die Zukunft bringen wird. Das Leben im Internat war intensiv und anspruchsvoll, doch es war eines, das sie gut kannten. Mit dem Ende der Schulzeit ändert sich also nicht nur ihr Alltag – wie das bei anderen Jugendlichen der Fall ist – sondern hinzu kommt noch, dass sie die gewohnte Umgebung verlassen und der tägliche Umgang mit den Vertrauten und Freunden wegfällt, das Leben wird auf den Kopf gestellt.

Mit dem Abitur im Internat endet eine gemeinsame Zeit für die Schüler

Ist es für die Eltern ein Einschnitt, wenn die Kinder das Haus Richtung Internat verlassen, so findet der wesentliche Einschnitt im Leben der Kinder erst viel später statt: Der Einzug ins Internat ist doch von so vielen neuen Eindrücken geprägt, dass sie wenig Zeit für Abschiedsschmerz haben. Umso berührender dann die große Feier zum Abitur im Internat. All die Mitschüler*innen werden sie nun nicht mehr tagtäglich sehen, Treffen müssen immer erst organisiert werden.

Auch ich werde diese Abschiedsstimmung bei der großen Zeugnisverleihung nicht vergessen.

Alle Abiturient*innen super schick gekleidet: die Eltern, Geschwister, Familien, Freunde, Schulträger, Schulleitung, Internatsleitung – und Verwaltung sowie die Mentoren – alle feierlich versammelt. Und dann passierte etwas, was mich tief berührte. Herr Lehmann – der Internatsträger und selber Vater dreier Töchter, von denen zwei mit unseren Töchtern gemeinsam das Abitur absolvierten, moderierte die Veranstaltung und erzählte zu jedem Schüler über mehrere Minuten seine / ihre Geschichte aus Torgelow. Kleine Anekdoten und Erlebnisse, die Besonderheiten eines Jeden hervorgehoben, die Individualität auf den Punkt gebracht und freundschaftlich motivierende Worte für die Zukunft.

Die Individualität und Internatszeit unserer Tochter / Töchter – auch im Jahr danach – wurde sehr wertschätzend und herzlich vorgetragen. Dieses Abitur im Internat war auch für mich ein Abschluss, der mich vor Stolz fast zum Platzen gebracht hätte! Mein Dank, Respekt und die größte Hochachtung gilt Herrn Lehmann und dem kompletten Internatsteam Schloss Torgelow für diese persönliche Art des Abschiedes und den Weg dorthin.

Und auch ich wurde wehmütig: Mir wurde bewusst, dass diese besondere Zeit in aller Konsequenz jetzt vorbei war.

Regelmäßig waren an den Wochenenden die Freunde unserer Töchter mit bei uns Zuhause gewesen. Wir haben gelacht und so manche Stunde über Herausforderungen und Träume gesprochen. Die witzigen Geschichten von dem, was heimlich ausgeheckt wurde und auch die folgenschweren Konsequenzen daraus, sofern Internatsregeln ernsthaft gebrochen wurden. Plötzlich war mir klar, das würde ich so in dieser Form nicht mehr haben. All diese großartigen netten jungen Menschen würden in die Welt gehen und nicht mehr bei uns ein und aus. Natürlich würde unsere jüngste Tochter noch ein Jahr in Torgelow bleiben, sich ebenfalls auf das Abitur im Internat vorbereiten, aber bereits die Hälfte des Kontaktes würde  wegbrechen… Ich war tieftraurig!

Die anschließende Abiturfeier war feuchtfröhlich

Mein Mann und ich gehörten mit zu den letzten Eltern, die jeden Moment bewusst erlebten und mitnahmen, das Parkett und den Tresen unsicher machten und fast mit jedem noch ein paar persönliche Worte sprachen. Auch am nächsten Morgen als wir das Zimmer unserer Tochter im Internat ausräumten, war die Stimmung herzlich – bei allen anderen ebenso – der Abschied umso trauriger und es flossen viele Tränen.

Im Jahr danach, beim Abschied unserer jüngsten Tochter war ich vorbereitet. Traurig und berührend war es allemal, denn damit schlossen wir unsere Zeit im Internat ab – zumindest privat.


Heute coache ich Familien, die auf der Suche nach dem Wohlfühlinternat für Ihre Kinder sind.

Aus meiner langen Erfahrung als Business-Coach kenne ich viele Hilfen und wertvolle Tools, mit denen wir – meistens innerhalb eines Tages – ein Ergebnis erzielen, zu dem alle aus der Familie zu 100 % ja sagen, mit gutem Herz, Kopf und Bauchgefühl. Denn ein echtes Wohlfühlinternat zu finden, ist nur zu 50 % ein rationaler Aspekt. Den Rest bestimmt ein emotionaler Wohlfühlfaktor und genau um den geht es – bei mir im Coaching.
Hier erfahren Sie mehr über mich und Komplexe Entscheidungen. Auf den Punkt. Jetzt.

Mit herzlichen Gedanken
Ihre Petra Moje


Lernen Sie meine Arbeit mit der „Sofort-Ja-Nein-Technik“ kennen und erhalten Sie JA-NEIN-Antworten innerhalb von Sekunden.

 


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